Thüringer Ärzte sagen flächendeckenden Ärztemangel schon ab 2014 voraus – Gesundheitsexperte Dr. Hartung fordert Sofortprogramm

Schon ab dem Jahr 2014 droht in allen Landkreisen in Thüringen ein Ärztemangel. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens haben am Mittwoch Studien vorgelegt, nach denen eine Unterversorgung der ländlichen Gebiete früher eintreten wird als bisher vorhergesagt. Bislang waren die Ärzte-Organisationen davon ausgegangen, dass eine flächendeckende Unterversorgung erst ab 2020 eintreten würde.

Um dieses bedrohliche Szenario zu verhindern, muss die Landesregierung ein Sofort-Programm auflegen – fordert der Gesundheitsexperte und Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Hartung. Es müsse wesentlich schneller eine Strategie entwickelt werden, um den Mangel kurzfristig zu begegnen als im Stiftungsmodell der Landesregierung vorgesehen. Hartung verweist auf die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung nach einer raschen Reaktion der Politik. Die Landesregierung müsse hier, so Hartung, neue Wege gehen und alle möglichen Ressourcen wie Krankenhäuser und Gesundheitsämter einbeziehen. Sonst sei die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem Land schon bald gefährdet.

Um das deutsche Gesundheitssystem langfristig zu sichern, braucht es nach Ansicht des Weimarer Landtagsabgeordneten einen Systemwechsel. Er forderte am Donnerstag wiederum eine Abkehr von der Fiktion einer gewinnträchtigen „Gesundheitsindustrie“ mit einem „Gesundheitsmarkt“. Nur wenn es der Politik gelingt, die Ärzte aus dem Korsett zu befreien, in das sie als bürokratisch kontrollierte Dienstleister gezwängt werden, wird der Beruf seine alte Attraktivität zurück gewinnen. Hartung fürchtet, dass die geplante Kopfpauschale die wirtschaftlichen Zwänge der Ärzte sogar noch verstärken wird. Der Zwang für die Patienten, Leistungen über die Minimalversorgung hinaus selbst finanziell abzusichern, führt die Menschen in die Zwei-Klassen-Medizin und bringt die Ärzte in ein wirtschaftliches, bürokratischen und ethisches Dilemma.

Die Pressemitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Thema können sie hier herunterladen: *.doc*.pdf

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