Die Unversorgten und das leise, unbekannte Programm des DRK

157 Weimarer Kinder bekommen jeden Morgen ein kostenloses Frühstück in ihre Grundschule geliefert. Dafür sorgt die Aktion „Ein gesundes Frühstück für jedes Kind“ des Deutschen Roten Kreuz Weimar. Das Päckchen, das die Kinder bekommen, enthält Klappstullen mit Schwarzbrot, Obst und Joghurt oder einen Müsliriegel.

von Pierre C. Deason-Tomory

Die Lehrer der Grundschulen melden den Bedarf für ihre Klasse an. Das läuft ohne irgendwelchen Papierkram, der von den Eltern ausgefüllt werden muss, damit die „bedürftigen“ Kinder nicht bloßgestellt werden. „Dieser Punkt ist ganz wichtig,“ sagt Dr. Thomas Hartung, Weimarer SPD-Stadtrat und Landtagsabgeordneter, selbst DRK-Mitglied. „Die Lehrer wissen, wer von ihren Schülern oft kein Frühstück von zuhause mitbekommt. Und so viele Päckchen bestellt er dann. So muss das Kind nicht vor allen anderen nach vorne gehen und bitte-bitte machen.“

Das Projekt läuft seit 2005, kontinuierlich, zuverlässig, und ohne jedes Aufsehen. Was angesichts der Sensibilität des Themas angebracht ist. Immerhin geht es um das Problem, dass es Eltern gibt, die es nicht schaffen, zuverlässig für das Pausenbrot zu sorgen. Da hilft es nicht, darüber zu mutmaßen, warum das in – sehr sehr wenigen! – Familien der Fall ist. Die Stadt muss zunächst einmal dafür sorgen, dass den Kindern, die sich nicht selbst helfen können, geholfen wird.

Weggeworfen wird nicht. „Bei uns duckeln die morgens, was sie nicht so gerne essen wollen. Sie will kein Schweinefleisch auf der Stulle, er keinen Käse – dann wird gedealt,“ sagt die Lehrerin an einer Grundschule in Weimar-Nord. In manchen Klassen werfen alle Schüler ihre Frühstückspäckchen zusammen und bedienen sich à la Buffet vom gemeinsamen Tisch. Weil es trotz DRK-Beutel nicht immer reicht, stiften manche Lehrer noch zu. Was darauf hindeutet, dass das Problem der Kinder, die öfter ohne Frühstück in die Schule kommen, auch mit dem DRK-Stadt-Programm nicht völlig aus der Welt ist. Doch das Problem würde noch grösser werden, wenn es das Programm nicht geben würde: Die Zahl der angeforderten Päckchen ist in den vergangenen vier Jahren von 120 auf fast 160 gestiegen.

Begonnen hatte das DRK das Projekt 2005, in kleinerem Rahmen und finanziert durch Spenden. Stadtrat Hartung baldowerte Jahre später mit dem DRK eine bedarfsgerechtere Lösung aus, die gemeinsam von den Fraktionen der SPD, der Grünen und der NL im Haushalt für 2011 durchgesetzt wurde. Und seitdem funktioniert. Mit dem städtischen Zuschuss von 20.000 Euro ist aber nur ein Teil der jährlichen Gesamtkosten in Höhe von rund 35.000 Euro finanziert. Den Restbetrag begleicht das Rote Kreuz durch Spenden und Eigenmittel. „Eine gute Sache, “ sagt ganz sachte Peter Schreiber, der Vorstandschef des Weimarer DRK. Ein Urteil, so leise wie das ganze Projekt.

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