Pharmaversuche in der DDR und heute: „Schaler Beigeschmack“

Die SPD-Fraktion im Thüringer Landtag hat Ende Mai eine gründliche Untersuchung der Medikamententests in der Ex-DDR verlangt – aber auch eine der heutigen Praxis.

Von Pierre C. Deason-Tomory

Auf einer Plenardebatte am 25. Mai sagte SPD-Gesundheitsexperte Dr. Thomas Hartung, „Menschen als Versuchskaninchen, Ärzte, die für eine Stange Zigaretten ihren Patienten geschadet haben – das sind die Schlagworte, die derzeit viele Menschen umtreiben“. Hartung, selbst von Beruf Arzt, riet dazu, eine objektive, an wissenschaftlichen Prinzipien orientierte Aufklärung einzuleiten. Es müsse geklärt werden, ob in der DDR Patienten bei Studien geschädigt wurden.  „Selbst wenn damals bei der Durchführung der Studien alles nach den Gesetzen der DDR abgelaufen sein sollte – es bleibt doch ein schaler Beigeschmack.“

Immerhin stehe der Vorwurf im Raum, dass der „humanistische, sozialistische Staat“ für die Zulassung solcher Studien Devisen kassiert habe. Hartung richtete den Blick aber auch in die Gegenwart. „Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, wie medizinische Studien heutzutage zu Stande kommen“, sagte Hartung. Er verwies auf Berichte von Kollegen, die in Ländern wie Indien, Malawi oder Südafrika tätig sind. Auch dort seien Pharmafirmen immer auf der Suche nach Probanden – „in Kliniken, in denen Zustände herrschen, die wir uns gar nicht vorstellen können.“

(die ganze Rede im Netz unter www.youtube.com/watch?v=NOJDhSqoSng)

 

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